Mündliche Anfragen gemäß § 47 der Geschäftsordnung des Niedersächsischen Landtages
Fragestunde 09.03.2011 Drucksache 16/3395 (36 S.)
Frage 51 der Abgeordneten Dr. Hans-Joachim Deneke-Jöhrens, Clemens Große Macke und Karl-Heinrich Langspecht (CDU)
Wie wirkt „Die faire Milch“?
Rund ein Jahr nach der Markteinführung der „fairen Milch“ hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) eine erste Bilanz gezogen. Mit einer zertifizierten Jahresmilchmenge von derzeit rund 66 Millionen kg zeigte sich der Geschäftsführer der Milchvermarktungsgesellschaft Süddeutschland GmbH, Jacob Niedermaier, zufrieden. Gleichwohl würden nur etwa 25 % der Menge auch tatsächlich unter der Marke „Die faire Milch“ abgesetzt.
Auf ihrer Homepage wirbt „Die faire Milch“ mit Transparenz, Gentechnikfreiheit und regionalen Arbeitsplätzen. „Die faire Milch“ will nach eigenem Bekunden das Risiko von gentechnisch veränderten Pflanzen nicht tragen und entscheidet sich daher strikt dagegen. Diese Gentechnikfreiheit werde durch strenge Richtlinien für Anbau und Produktion sowie regelmäßige Kontrollen sichergestellt.
Wir die fragen die Landesregierung:
1. Wie beurteilt Landesregierung die Absatzentwicklung der „fairen Milch“?
2. Welche Entwicklungschancen hält die Landesregierung für „Die faire Milch“ in Deutschland
und insbesondere in Niedersachsen für realistisch?
3. Welche Molkereien produzieren nach Kenntnis der Landesregierung in den Anforderungen und der Produktion vergleichbare Milchprodukte?
Antwort des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung:
Seit etwa einem Jahr wird die „faire Milch“ erzeugt und über die Milchvermarktungsgesellschaft Süddeutschland, MVS, vertrieben. Gesellschafter der MVS ist u. a. der BDM. Handelspartner sind die Lebensmittelkonzerne REWE und Tegut. Bislang wird diese Milch lediglich in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen erzeugt und verkauft.
„Faire Milch“ steht nach Angaben der MVS für Fairness gegenüber dem Verbraucher, der Umwelt und dem Landwirt. Programmspezifische Erzeugungsregelungen sind in den Milchlieferordnungen zwischen den Milcherzeugern und der Vermarktungsgesellschaft festgelegt (u. a. Fütterung, Haltung, Transportwege).
Neben der „fairen Milch“ gibt es eine Vielzahl von Programmen, die u. a. mit regionaler Herkunft, Gentechnikfreiheit oder fairen Erzeugerpreisen werben.
Dieses vorausgeschickt, beantworte ich die Kleine Anfrage namens der Landesregierung wie folgt:
Zu 1: Der Anteil der im vergangenen Jahr als „fair“ angebotenen Produkte am Gesamtumsatz der Milchindustrie beträgt ca. 1 % (Marktforschungsinstitut Nielsen, Gesellschaft für Konsumforschung, GFK).
Bis Ende des Jahres 2010 konnten lediglich 25 % der nach den vorgegebenen Kriterien erzeugten Milch als „faire Milch“ vermarktet werden. Die verbleibenden 75 % der Milch werden konventionell verarbeitet und vermarktet.
Obgleich der Eindruck erweckt wird, dass die Milcherzeuger für die gesamte fair erzeugte Milch 40 Cent/kg Milch erhalten, kann die jeweilige Molkerei jedoch nur einen Preis für Milch zahlen, der sich aus dem Durchschnittserlös aus allen hergestellten Produkten errechnet. Der tatsächliche Preisaufschlag betrug nach Angaben der MVS zwischen 1,4 und 3,46 Cent/kg Milch.
Die weitere Entwicklung des Absatzes ist abhängig von der Anzahl vergleichbarer Produkte, die zunehmend auf die Märkte drängen.
Zu 2: Milch bzw. Milcherzeugnisse mit einem bestimmten Zusatznutzen werden nach hiesiger Auffassung sogenannter Nischenprodukte bleiben. Sofern hierdurch für eine kleine Gruppe von Erzeugern auch dauerhaft Gewinne erzielt werden können, ist dies ausdrücklich zu begrüßen.
Die Entwicklungschancen eines Produktes sind davon abhängig, inwieweit seine Eigenschaften unverwechselbar sind und zudem glaubhaft bei den Verbrauchern/-innen ankommen. Begriffe wie „Regionalität“ und „Gentechnikfreiheit“ stehen derzeit in der Verbrauchergunst weit oben. Die Konkurrenz von verschiedenen Fair-Konzepten am Markt ist jedoch groß. Dies hat bereits dazu geführt, dass die Preise für derartige Produkte deutlich gefallen sind. Hierdurch können in gewissem Umfang zwar die Absatzmengen steigen, aber der Erlös pro Kilogramm Milch sinkt Im Falle der „fairen Milch“ mussten einige Werbeaussagen korrigiert werden: So durfte die Begriffe „aus Ihrer Region“ und „die heimische Produktion spart unnötige Transportwege“ nicht länger verwendet werden, da Milch zwar in BY, BW, HE und NW erzeugt, jedoch bislang nur in Hessen abgefüllt wird.
Zu 3: Die Molkereien Ammerland und Frischli füllen für Handelskonzerne Milch ab, die unter dem Label „Bauernmilch“ (regionale Produktion) bzw. „ein Herz für Erzeuger“ (10 Cent/kg Milch gehen an die Erzeuger) auf den Markt gelangen. Die Erlöse werden auf die komplette Liefermenge umgelegt, sodass sich der Erzeugerpreis lediglich um ca. 0,1 Cent/kg erhöht hat.
Die Vermarktungsgesellschaft Süddeutschland sucht im Norden nach Molkereien, die die „faire Milch“ abfüllen. Bislang hat sich jedoch keine Molkerei gefunden, da sich offensichtlich der erhöhte Aufwand einer getrennten Erfassung und Verarbeitung von nicht rechnet.