Mündliche Anfragen gemäß § 47 der Geschäftsordnung des Niedersächsischen Landtages
Fragestunde 03.11.2010 Drucksache 16/2995 (38 S.)
Mündliche Anfrage 47 Abgeordnete Martin Bäumer, Helmut Dammann-Tamke, Hans-Joachim Deneke-Jöhrens, Otto Depp-
meyer, Clemens Große Macke, Ingrid Klopp, Karl-Heinrich Langspecht und Frank Oesterhelweg (CDU) (S. 31)
Wie informiert die Landesregierung unsere Kinder über gesunde Ernährung?
Da eine gesunde Ernährung für die Entwicklung von Kindern elementar ist, haben der Kreislandvolkverband und der Kreisfrauenverband Oldenburg an 80 Grundschulen für die 3 500 Erstklässler im Landkreis und den Städten Oldenburg und Delmenhorst gefüllte Brotboxen verteilt.
Der Geschäftsführer des Kreisverbandes, Bernhard Wolff, begründet diese Aktion mit der Förderung der Lern- und Leistungsfähigkeit durch ein gesundes Frühstück. Durch zahlreiche Sponsoren und Helfer konnten die Boxen kostenlos bereitgestellt werden. Ebenfalls wurde ein Lehrfilm mit dem Titel „Zum Reinbeißen - der Weg vom Korn zum Brot“ gezeigt. Dieser Film soll bewirken, dass die Verteilaktion nachhaltig dazu führt, dass die Kinder Brotboxen mit in die Schulen nehmen. Ergänzend wurde auch eine Hofbesichtigung für die Schüler durchgeführt.
Ein weiteres Projekt, das gesunde Ernährung bei Kindern fördern soll, stellt die Idee einer Initiative von Obstbauern aus dem Alten Land dar: Diese will Schüler aus der Region regelmäßig mit Äpfeln versorgen. So gingen 7 000 Äpfel an die Hamburger Tafel. Siebtklässler der Schule Hermannstal erhalten ein „Apfelabo“.
Wir fragen die Landesregierung:
1. Welche Aktivitäten zur Unterstützung der Aufklärung der Kinder über gesunde Nahrungsmittel hat die Landesregierung entwickelt und welche sind geplant?
2. Inwieweit werden bei der Aufklärungsarbeit über gesunde Nahrung Verbände eingebunden?
3. Wie schätzt die Landesregierung derartige private Initiativen im Hinblick auf die Förderung der gesunden Ernährung bei Kindern ein?
Antwort des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung
Der Ernährungsbericht 2008 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. kommt u. a. zu dem Schluss, dass Kinder und Jugendliche, gemessen an den in der optimierten Mischkost empfohlenen Lebensmittelmengen, zu wenig pflanzliche Lebensmittel und mit zunehmendem Alter zu viele fettreiche tierische Lebensmittel verzehren. Diese suboptimale Lebensmittelauswahl habe Folgen auf die Nährstoffzufuhr. Nährstoffe wie Vitamin D und Vitamin E sowie Folat, Ballaststoffe, Calcium und Eisen (bei Mädchen) würden von den meisten Kindern und Jugendlichen zu wenig aufgenommen, während die Proteinzufuhr verhältnismäßig hoch und das Fettsäuremuster ungünstig seien.
Die Landesregierung teilt diese Schlussfolgerung und setzt sich durch umfangreiche Aufklärungsmaßnahmen für die Förderung einer gesunden Ernährung der Kinder und Jugendlichen ein. So gehört die Ernährungsbildung in Niedersachsen bereits zum schulischen Unterrichtsstoff. Darüber hinaus werden an fast allen niedersächsischen Schulen Speisen und Getränke in Form einer Zwischenmahlzeit oder als Mittagessen angeboten. Ganztagsschulen sind per Erlass gehalten, eine Mittagsmahlzeit vorzuhalten.
Schwerpunkt der aktuellen Bemühungen der Landesregierung ist es, ein ernährungsphysiologisch deutlich besseres Verpflegungsangebot für Kinder und Jugendliche zu etablieren.
Dieses vorausgeschickt, beantworte ich die Kleine Anfrage namens der Landesregierung wie folgt:
Zu 1: Die Landesregierung setzt auf eine individuelle Begleitung von Schulen. Dies hat sich in den letzten Jahren als eine sehr Erfolg versprechende Maßnahme erwiesen, die zudem bei den Schulleitungen und Lehrkräften großen Zuspruch bekommt.
Zurzeit laufen an mehreren Stellen in Niedersachsen Hygieneschulungen für Lehrkräfte und Schülerfirmen.
Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung, ein gemeinsames Projekt mit dem Bund über das Programm „In Form“, hat begonnen, freiberufliche Ernährungsberatungskräfte für die Schulverpflegung stärker zu qualifizieren und diese bei Bedarf den Schulen als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung zu stellen.
Die noch laufende Ausschreibung des ML „Wir mögen’s frisch! Förderung des Obst- und Gemüseverzehrs an Schulen in Niedersachsen“ hat ebenfalls eine gute Resonanz bei den Schulen ausgelöst. Es liegen knapp 133 Bewerbungen vor.
Mit Beteiligung und Sponsoring der Wasser- oder Stadtwerke, Fördervereine und kommunalen Schulträgern wurden landesweit Trinkbrunnen und Trinkwasserspender in Schulen aufgestellt. Die Versorgung der Schulkinder mit einem attraktiven kostenfreien Trinkwasserangebot findet breite Zustimmung und soll ausgebaut werden.
In der Anlage sind die laufenden Projekte zur Ernährungsaufklärung der Kinder aufgelistet. Darüber hinaus sei der Vollständigkeit halber auf diverse Projekte der Landesvereinigung der Milchwirtschaft zum Themenbereich Schulverpflegung/gesunde Ernährung hingewiesen.
Zu 2: Seit den 90er-Jahren werden vorrangig zwei niedersächsische Einrichtungen gefördert: die Verbraucherzentrale Niedersachsen (VZN) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Sektion Niedersachsen. Neu hinzu gekommen ist seit 2009 die Vernetzungsstelle Schulverpflegung.
Inhalte der Arbeit der VZN:
- „Schule auf Esskurs“ - ein Coaching-Programm für Schulen, die eine Verpflegung einführen bzw. verbessern wollen. 25 Schulen erhalten jährlich diese Chance
- Newsletter für Kitas für aktuelle Infos in der Kinderernährung/Ernährungsbildung
- Schulung von Multiplikatoren in der Gemeinschaftsverpflegung, Vortragstätigkeit
Inhalte der Arbeit der DGE:
- Organisation von überregionalen Tagungen zu unterschiedlichen Themen aus dem Bereich Ernährung mit verschiedenen Kooperationspartnern
- enge Zusammenarbeit mit der Ärztekammer und Landesvereinigung für Gesundheit - Beratung von Schulen, Senioreneinrichtungen, Infostände, Koordinierung der Arbeit der Vernetzungsstelle Schulverpflegung mit der Hauptgeschäftsstelle in Bonn
Inhalte der Arbeit der Vernetzungsstelle Schulverpflegung:
- Lehrerfortbildungen im Bereich Hygiene - Schulung von nachhaltigen Schülerfirmen (die häufig im Verpflegungsbereich aktiv sind) in Hygieneanforderungen und Qualitätsstandards Schulverpflegung
- Aufbau von regionalen Netzwerken zur Verbesserung der Schulverpflegung
- Förderung des Obst- und Gemüseverzehrs an Schulen in Niedersachsen (Ausschreibung)
Zu 3: Private Initiativen im Hinblick auf die Förderung der gesunden Ernährung bei Kindern werden grundsätzlich positiv gesehen. Es ist ein wichtiges Anliegen der Landesregierung, diese mit Konzepten und Aktivitäten der öffentlichen Seite abzustimmen oder in konkreten Einzelfällen zu begleiten.